Es geht recht schnell: Von heute auf morgen von gestern zu sein

Durch die Pandemie und deren ständige Einschränkungen ändern sich aktuelle Rahmenbedingungen für kürzlich noch erfolgreiche Unternehmen ganz schnell. Schwierigkeiten, ja sogar Insolvenzgefahr sind in solchen turbulenten Situationen nicht ausgeschlossen.

Trotzdem bleiben selbstkritische Frage:

War es vorhersehbar?
War es vermeidbar?
Was will daraus gelernt werden? Karlheinz K. Matten berät Unternehmen auf den Gebieten Veränderungsprozesse, der Unternehmensplanung.

Karlheinz K. Matten

Wer sich heute mit den Geschäftsmodellen von Apple, Microsoft, Amazon, oder auch Tesla befasst, braucht nicht lange, um die Erfolgsgründe für den weltlichen Erfolg dieser Unternehmen zu finden. 

Wer jedoch die Zeit zurückdreht in welcher diese Geschäftsmodelle entwickelt wurden, wird feststellen, dass damals kaum jemand an den Erfolg der seinerzeitigen Start-ups geglaubt hat.

Im Gegenteil – genau wie heute noch konnte man sich nicht vorstellen, dass solche revolutionären Ideen Erfolg haben könnten. Die heute bewunderten Persönlichkeiten wurden nicht ernst genommen, ja, man hat sie ausgelacht bzw. hat ihnen wärmsten von ihrem Vorhaben abgeraten.

Das Bestehende besser zu machen galt als die sicherere Variante und war bevorzugt. Etwas total Neues entdecken zu wollen, dessen Zukunft schwer vorstellbar bzw. ungewiss war, fand so gut wie keine Zustimmung im geldgebenden Bereich.

Die Corona-Krise fordert die Lenker von Unternehmen neu heraus

Nicht jeder Manager fühlt sich ausserhalb der Komfortzone wohl oder diesem Bereich gewachsen. So ist es oftmals der starke Leidensdruck, seltener die Fähigkeit und der Mut außerhalb der Komfortzone Neues zu wagen bzw. dem notwendigen Wandel zuzustimmen. Dieses Verhalten galt schon zu früheren Zeiten und hat sich bis in die heutige Zeit erhalten.

Die Methode „Weiter so“ wird von vielen Managern (auch bei großen Unternehmen) praktiziert. Innovationstüchtige Manager sind eher die Ausnahme.

Wenn in einem Unternehmen mit einem in die Jahre gekommenen Geschäftsmodell arbeiten und von eine unerwartete Pandemie überrascht werden, kann ein Ende plötzlich sehr nah sein. Selbst Unternehmen, die bis dato fast alles richtig gemacht haben, sind durch politische Vorgaben im Corona-Management in Schieflage geraten und stehen kurz vor dem unternehmerischen Aus.

So kann der Untergang des eigenen Unternehmens vermieden werden

Natürlich gibt es auch die sogenannten Profiteure einer Krise, jedoch sind der Mittelstand und die kleinen Unternehmen vom Leiden maximal betroffen. Unter dem Strich wird eine Krise meist wenige Unternehmen hervorbringen denen es besser geht und viel mehr Unternehmen welche es schlechter geht.

Auch hier die Frage: Wie ist eine solche Katastrophe, Verhängnis zu vermeiden?

Relevante Rahmenbedingungen verändern sich ständig und somit kann es immer zu spät sein, oder?

Das darf nicht der Fall sein, denn das ganze ist eine Frage der Sichtweise. 

Ein guter Fahrer eines F1-Rennwagens geht bei jedem Start davon aus, dass etwas Schlimmes wie ein Rempeln oder ein Reifenplatzer passiert und ist hierauf mental vorbereitet, um seine Reaktion auf ein solches Ereignis schnell und möglichst lebensrettend ausführen zu können.

Verläuft der Start reibungslos, freut sich F1-Pilot darüber, aber im Crashfall weiß er, was zu tun ist.

Bestimmte Unfallszenarien bedingen natürlich, dass diese zuvor gedanklich erfasst und der Umgang mit diesen trainiert wurde. Je besser ein F1-Pilot auf Probleme oder den Umgang mit diesen vorbereitet ist, umso größer sind seine eigene Überlebenschance.

Genau so sollten die Lenker einer Unternehmung vorbereitet sein, um Schaden vom Unternehmensleben fern zu halten. Die Lenker von Unternehmen zeichnen oftmals ein anderes Bild, denn sie gehen davon aus, dass sich für sie kaum etwas ändert. Sollte wiedererwarten doch etwas Gravierendes passieren, glauben sie, das die eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse zur Situationsbewältigung ausreichend sind. Es ist eine menschliche Einstellung so zu denken, aber dennoch falsch.

Wie oft zeigt z.B. ein Autofahrertraining auf, was der Lenker eines Fahrzeuges alles für Defizite hat. Das Management eines Unternehmens ist mit dem Autofahrertraining gut zu vergleichen. Viele  Vertreter einer Geschäftsführung sind auf mögliche Veränderungen nicht oder nur mangelhaft vorbereitet.

Ein Spiel: Opfer einer verdrängten Veränderung oder Profiteur geübten Handelns

Ist der Einwand, auf eine Pandemie oder einen Lockdown kann man sich nicht vorbereiten, zulässig? NEIN!

Gerade eine Ausnahmesituation zu beherrschen ist die hohe Kunst im Unternehmertum, denn wenn alles gut läuft kann fast jeder Lenker einem Unternehmen vorsitzen. Ausnahmesituationen führen meist dazu, dass ein Unternehmen Schaden erleiden wird. Ziel sollte es jedoch sein, dass die erlittenen Verletzungen nicht das Überleben der Unternehmung gefährden werden. Mit einer sorgfältigen Vorbereitung sollte dies besser gelingen, als mit keiner Vorbereitung. Sich auf unterschiedliche Veränderungssituationen vorzubereiten und somit die Anpassungsfähigkeit zu erhalten ist für eine Unternehmung existenziell und somit eine Aufgabe der Führungskräfte. 

Stichworte wie Unbeständigkeit und Verhaltensanpassung sollten bei einem Unternehmenslenker immer auf der Agenda stehen. Welches die Wertschöpfungskonfigurationen von morgen sein werden gilt es ebenfalls zu bedenken. An einer eigenen zukunftsfähigen Variante zu arbeiten kann und darf nicht unterlassen werden. Das Morgen vorausahnen, vorwegzunehmen, zuvorkommen ist die Aufforderung an jeden Unternehmenslenker. Auf unwahrscheinliche, zukünftige Fragen, kluge Antworten präsentieren zu können, bringt möglicherweise das „Tesla“ von morgen hervor.